Blogtober

9. Blogtober – Fieberkrampf: Der Tag an dem ich den Notruf wählte

Auch hier gibt es eine Triggerwarnung von mir:
Ich schreibe über Angst, Panik und Krankheit. 

Eigentlich war es ein schöner Tag

Ende Juli: Wir wohnten seit 1 1/2 Wochen in unserer neuen Wohnung und hatten uns ein wenig eingelebt. Endlich funktionierte das Internet; ich war ganz aufgeregt an meinem Blog weiterarbeiten zu können.

Emily hatte morgens bereits leichtes Fieber und ich fühlte immer wieder zwischen den Schulterblättern nach ob es stärker wurde. Da sie normal durch die Gegend sprang machte ich mir keine großen Sorgen. 

Gegen 19 Uhr wurschtelte mein Mann im Keller herum und die Kleine saß in der Badewanne. 

Als ich sie in ein Handtuch kuschelte und für eine frische Windel auf das Sofa legen wollte verkrampfte sie sich plötzlich. Ich dachte erst sie macht Quatsch und will lieber sitzen, aber ein paar Sekunden später realisierte ich, dass sie einen Fieberkrampf hatte.

Kurze Info: Was ist ein Fieberkrampf?

Wenn das Fieber im Körper plötzlich zu hoch steigt, kommt dieser damit nicht mehr klar und verkrampft. Meistens betrifft es Babys und Kinder (es verwächst sich im Alter) und kann vererbt werden. Zusätzliche Symptome sind Atemaussetzer, blau anlaufende Lippen, verdrehte Augen und ungehemmter Speichelfluss. Normalerweise dauert so ein Fieberkrampf 30 Sekunden bis etwa 2 Minuten, dann atmet das Kind wieder normal, fängt an zu brüllen oder schläft vor Erschöpfung ein. Das hört sich schrecklich an, ist aber ungefährlich und die Kinder können sich wohl im Nachhinein nicht mehr daran erinnern. Gegen einen Fieberkrampf hilft nur rechtzeitig (ab 38 Grad Fieber) ein Zäpfchen geben oder währenddessen ein entkrampfendes Mittel (Diazepam).

Was soll ich tun?

Sofort nahm ich meine Tochter in den Arm und sprach sie an; in mir breitete sich erste Panik aus. Der letzte Fieberkrampf lag 1 1/2 oder 2 Jahre zurück. In ihrer Kehle knackte es so seltsam, als würde sie ständig schlucken, aber sie holte keine Luft. Speichel lief aus dem Mund und sie starrte apathisch an die Decke. Ich lief mit ihr ins Badezimmer und dachte sie müsse erbrechen. Ihre Lippen liefen blau an und sie zuckte immer wieder leicht. In meinem Kopf sprangen alle Notsignale an, die es gab. Scheiße was mach ich jetzt? Das geht länger als 30 Sekunden, sie kriegt keine Luft! Mein Kind stirbt mir grad in meinen Armen weg! 

Ich fluchte lautstark vor mich hin, fing an zu schluchzen und redete auf meine Tochter ein. „Hol Luft Emily! Atmen! Du sollst atmen!“ Ab da war ich in Panik.

Sollte ich den Krankenwagen rufen? Was soll ich tun?

Ich schnappte mir den Haustürschlüssel und lief weinend mit Emily in den Keller. Mittlerweile atmete sie immer noch kaum, krampfte zwar nicht mehr, aber nickte immer wieder weg, wurde bewusstlos. Mein Mann nahm sie direkt ab und versuchte sie wach zu halten. Er pustete ihr in die Nase und redete mit ihr. Ich fragte was ich machen soll, ob ich den Krankenwagen rufen soll. 

Er war sich auch unsicher, daher rannte ich wieder hoch in den 3. Stock und holte mein Handy. Wieder unten angekommen überprüfte ich ob sich ihr Zustand geändert hatte, immer noch nicht. Ich glaube ich hab sowas gesagt wie „Bring sie oben an die frische Luft“ und wir sind beide an die Eingangstür. Dort rief ich dann tatsächlich den Notruf und bat mit verheulter Stimme um Hilfe. Ich hatte schreckliche Angst um mein Kind, das gerade kaum noch atmete. Ein netter Nachbar kam gerade am Haus an und bot seine Hilfe an (zum Beispiel mit dem Auto fahren, wir haben nämlich keines). 

Der Krankenwagen kommt 

Kurze Zeit später kam bereits der Krankenwagen. Ich ließ mir von unserem Nachbar die Handynummer geben und mein Mann brachte Emily in den Wagen. Sie bekam direkt eine Infusion und kurz danach ein Fieberzäpfchen. Zwei Ärzte kamen auch noch dazu, sie landeten nicht weit entfernt mit dem Rettungshubschrauber auf einer Wiese. Emily atmete bald endlich wieder normal und fing an zu weinen. Sie war völlig fertig und schlief immer wieder ein. Es hieß sie müsse ins Krankenhaus zur weiteren Untersuchung. Mein Mann packte mir schnell einige Sachen ein (unter anderem Kleidung für Emily, sie hatte ja nur ein Handtuch um) und meinte er komme später mit Bus und Bahn nach. 

So ging es dann in die Kinderklinik. Auf der Fahrt kotzte meine Tochter noch den Arzt voll, aber es ging ihr zum Glück wieder etwas besser. 

Insgesamt hatte sie etwa 4-5 Minuten lang den Fieberkrampf und hat danach immer wieder das Bewusstsein verloren.

Das Ende der Geschichte 

5 Tage lang musste Emily im Krankenhaus bleiben und wir haben abwechselnd bei ihr übernachtet. Es war sehr anstrengend für uns drei und hat viel Kraft gekostet.

Welchen Infekt sie hatte und woher das Fieber kam fanden die Ärzte leider nie heraus. Was zählt ist, dass sie wieder voll gesund ist und wir für den Fall der Fälle Diazepam im Kühlschrank haben. 

Mir tut es gut die Geschichte hier aufzuschreiben und damit ein Stück zu verarbeiten. Es war ein wirklich schrecklicher Tag und ich habe anschließend öfter deswegen geweint. 

Danke fürs Lesen
Deine Julia Amelie

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