Bedürfnisse

Meinem (inneren) Kind eine Stimme geben

Als ich angefangen habe mich selbst kennenzulernen und immer tiefer in mir zu graben, bin ich auf mein Inneres Kind gestoßen. Es ist extrem verletzt, weil es nie eine eigene Stimme bekommen hat. Meine Eltern sind selten für mich eingestanden und haben die Verantwortung auf mich abgeschoben und ich habe die Verantwortung wortlos von mir gewiesen. Ich war schüchtern, habe selten für mich gesprochen und habe mich besonders in der Pubertät sehr zurückgezogen. Mein Wunsch war immer einen harten Kokon zu basteln an dem alles abprallt. Stark sein, keine Schwäche zeigen, niemals weinen, keinen Grund geben mich zu kritisieren, immer lieb sein und toll wirken. Natürlich hat das nicht funktioniert. Erst als ich ausgezogen bin habe ich realisiert, dass ich meine Maske nicht aufrecht erhalten kann. Ich bin immer noch auf der Suche danach für mich selbst einzustehen und für mich zu reden.

Besonders seit ich meine Tochter habe fällt mir auf wie wichtig es ist ihr eine Stimme zu geben. Sie kommuniziert mit ihren zwei Jahren völlig anders – emotional und ganz wenig verbal. Ihr Verhalten zeigt mir wie es ihr gerade geht und was ihr gefällt, aber sie zeigt mir auch besonders oft was ihr nicht gefällt und ob sie Angst hat. Sie lässt alles frei heraus und ist ganz sie selbst. Besonders bei Wutanfällen – wenn sie anfängt mich zu schlagen oder kneifen – ist es schwer für mich zu erkennen, dass es gut ist! Sie lässt ihre Wut raus, sie ist komplett sie selbst und sie sagt deutlich, dass sie mit der Situation gerade nicht zurecht kommt. Ihr Gebrüll geht mir durch Mark und Bein; ohne Ohropax halte ich es oft nicht aus. Warum? Weil ich mich selbst so oft zurückgehalten habe, meine Emotionen eingesperrt habe und mir niemand gesagt hat, dass meine Wut oder Weinen völlig in Ordnung ist. Keiner hat mir gesagt, dass ich genauso wie ich bin ok bin. Bei meiner Tochter finde ich es so wichtig ihr zu sagen, dass sie so sein darf. Sie darf brüllen, sie darf ihre Unzufriedenheit in die Welt hinausschreien und ich begleite sie. Ich rede mit ihr danach darüber und sage ihr, dass ich sie annehme wie sie ist und auch die Situation – so anstrengend wie sie für mich ist – ist in diesem Moment völlig in Ordnung. Immer mehr erlaube ich mir auch selbst mich zu öffnen. Es ist ok wenn ich mich müde und kaputt fühle, ich darf das. Ich muss nicht immer fit und gut gelaunt durch die Gegend rennen!

Wenn Kritik von außen kommt und dein Kind sich unwohl fühlt, dann gib deinem Kind eine Stimme! Sei ganz für es da und natürlich für dich selbst. Ganz ganz oft hat die Person, die am heftigsten kritisiert genau dieses Problem mit sich selbst. Auch wenn es unmöglich scheint – nimm die Situation an wie sie ist. Empörung ist natürlich gut; es heißt nicht, dass du die Kritik der anderen akzeptieren musst! Nimm dein Kind aus unangenehmen Situationen raus und wenn es gerade nicht möglich ist, dann rede darüber. “Du fühlst dich gerade nicht wohl oder? Ich mich auch nicht, aber das ist in Ordnung. Ich bin da und du bist nicht alleine.” Du musst auch auf die andere Person nicht eingehen, die gerade dich oder dein Kind nicht ernst nimmt. “Danke, ich komme zurecht.” hilft bei unerwünschten Tipps, bei Bekannten ein Gespräch ohne Kind zu einem anderen Zeitpunkt. Wenn der Kontakt nur anstrengend ist und sich niemand wohl fühlt, dann breche ihn ab oder reduziere ihn. Ich hatte nur gute Erfahrung damit und auch wenn am Anfang Schuldgefühle hochkamen ist es eine gute Entscheidung gewesen. Fühle genau in dich hinein was du brauchst und was du möchtest! Dein Kind wird dir die Wahrheit sagen, ob es jemanden mag oder nicht (egal ob verwandt oder bekannt).

Trau dich und gib deinem Kind eine Stimme, wenn es nicht akzeptiert oder ernst genommen wird! Und wenn du ganz genau sein willst: Gib auch dir selbst und deinem inneren Kind eine Stimme!

Deine Julia

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