Bedürfnisse

Lebe für Dich und nicht für andere!

Ich bin stolz auf Dich!

Dieser Satz weckt in uns im ersten Moment schöne Gefühle – Anerkennung, ich habe etwas richtig gemacht, die andere Person wertschätzt mich!

Ich habe mittlerweile eine Abneigung gegen diesen Satz entwickelt. Stolz – ist das wirklich gut? Von meinem Vater wurde der Satz nur benutzt, wenn ich etwas in seinen Augen geleistet habe. Also ein Ergebnis, einen sichtbaren Fortschritt in Form von Wissen erreicht habe. Er war nicht stolz auf mich, sondern auf das was ich getan habe. Zum Beispiel das Abitur geschafft. Heißt genauer: Ich habe Noten gesammelt, die mein Wissen bewertet haben oder nach der eigenen Meinung der Lehrer vergeben wurden. Etwas völlig abstraktes, das nachher nicht mehr viel mit mir und meiner Persönlichkeit zu tun hatte. Ich hatte also die Aufgabe Wissen zu sammeln, denn Wissen ist angeblich Macht und anhand dessen kann ich bewertet werden. Nur wenn das Ergebnis sichtlich positiv ist habe ich nicht versagt und jemand kann stolz auf mich sein. Ich war bei meiner Abiturverleihung überhaupt nicht stolz auf mich selbst. Meiner Meinung nach habe ich mich irgendwie durchgemogelt, keine Hausaufgaben gemacht, so gut wie nie gelernt. Ich habe gelernt die Meinung meiner Lehrer zu vertreten, meine Persönlichkeit zu verstecken und Wissen im Kurzzeitgedächtnis gerade so lange zu behalten, damit es für die Klausur oder andere Tests reicht.

Ich habe also so gut es geht versucht meinem Vater gerecht zu werden; zu Hause meiner Mutter, indem ich für meine Brüder Verantwortung übernommen habe. Und trotzdem habe ich selten das Lob bekommen: Ich bin stolz auf Dich! Ich habe regelrecht danach gestrebt gelobt zu werden, war aber nie zufrieden und habe mich fortwährend als Versager gefühlt. Immer und immer wieder wurde mir gesagt ich könne keine Verantwortung übernehmen. Was solle denn bloß aus mir werden?

Mit Sicherheit kann ich sagen ich bin nicht das geworden was mein Vater gerne gehabt hätte. Meine Mutter hingegen unterstützt mich liebevoll in allem was ich bin und tue und dafür bin ich ihr unendlich dankbar! Nach langem reflektieren und Therapiesitzungen ist mir endlich klar geworden: Ich habe nie richtig gelernt mich selbst wertzuschätzen und habe diese Wertschätzung immer bei anderen Menschen gesucht!

Das ist ein Aufruf an Dich und mich und alle die mit diesem Problem kämpfen! Schau genau hin: Lebst Du für dich oder andere? Ich will definitiv für mich leben, meine Bedürfnisse kennenlernen und erfüllen und ich will die Verantwortung für mich selbst übernehmen. Das ist definitiv schon etwas was ich an mir wertschätzen kann: Das ich aus diesem Sumpf auf der Suche nach Anerkennung ausbreche und lerne mich wertzuschätzen.

Und ein weiterer wichtiger Grund für mich das zu tun: Ich will meiner Tochter genau das vorleben und hoffe natürlich, sie kann sich später auch wertschätzen. Sie darf bei mir genau das Kind sein, das sie ist.

Wertschätze Dich!

Deine Julia

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